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Alexander Koch

Öffentliche Projekte

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Öffentliche Projekte

Manche Projekte, an denen ich mitwirke, gelten direkt der Produktion von Öffentlichkeit oder sind öffentliche Interventionen. Allen voran das Programm der Kunst im Bürgerauftrag namens Neue Auftraggeber. Dieses Programm, das ich in Deutschland seit 2007 mit verantworte, ist Teil eines Europäischen Netzwerks, das auf bislang rund 500 Projekte zurückblickt. Seit 2017 bin ich Geschäftsführer der von mir gegründeten Gesellschaft der Neuen Auftraggeber, einer gGmbH. Seit 2023 bin ich Vorsitzender der Société Internationale des Nouveaux Commanditaires mit Sitz in Brüssel. In diesen Rollen habe ich eine kulturpolitische Funktion und Stimme, arbeite strategisch und ich suche das Geld, damit möglichst viele Menschen aktiv werden können, bin aber auch selber involviert in den Verlauf einzelner Projekte. Daneben gibt es andere Projekte im und für den öffentlichen Raum, die ich veranstaltet oder an denen ich mitgewirkt habe, teils an der Seite von Künstlern wie Santiago Sierra oder Olu Oguibe. Geprägt hat mich mein erstes größeres Projekt in Leipzig 1998, das selbstorganisierte Symposium über interkontextuelle künstlerische Kompetenz. Der gesellschaftspolitische Ansatz von damals ist für mich wesentlich geblieben.

2007–heute

Die Neuen Auftraggeber – Kunst im Bürgerauftrag

Kunst im Bürgerauftrag – die ‚Neuen Auftraggeber‘ –, das ist ein kulturpolitisches Großprojekt. Es begann in Frankreich als ‚Nouveaux Commanditaires‘ und hat sich seit 1991 mit über 500 Projekten in Europa verbreitet. 2007 gründete ich in Berlin einen Verein mit, dem ich vorstand, und wir brachten die Idee der Neuen Auftraggeber nach Deutschland. Seither ist aus der Initiative eine deutschlandweit bekannte und immer öfter praktizierte Methode geworden, für die ich als Direktor der Gesellschaft der Neuen Auftraggeber einstehe, eine gGmbH, die ich 2017 gegründet habe. Bislang haben wir im Bundesgebiet über 30 Projekte mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern finanziert und durchgeführt, und dabei Tausende von Menschen zusammengebracht. 2021 bekamen wir dafür den Zukunftspreis der Deutschen Kulturpolitischen Gesellschaft.

Zwischen 2013 und 2016 suchte ich vor allem auf dem … weiterlesen

KOW
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2009–2025

KOW

KOW, die Galerie, die ich mitgegründet habe, ist ein privates Unternehmen. Aber sie ist auch ein Raum zur Schaffung öffentlicher Momente und öffentlicher Sichtbarkeit. Seit 2009 gab es neben Ausstellungen auch zahlreiche Veranstaltungen mit unterschiedlichen Publika: Diskussionen, Konferenzen, Konzerte, Performances, Lesungen und Buchpräsentationen. Jede Eröffnung einer Ausstellung ist ebenfalls ein öffentlicher Anlass und manchmal ein Fest. Tatsächlich dient eine Galerie wie KOW als Schnittstelle zwischen privaten und öffentlichen Interessen, Diskursen und Ökonomien. Die von uns mit gestaltete Architektur hatte ein großes Tor zur Straße hin, wodurch sich der Ausstellungsraum demonstrativ öffnen ließ. Die Grenze zwischen Innen und Außen, Privat und Öffentlich, Ausstellung und Stadt verwischten.

www.kow-berlin.com

2022

Zelle 5 – Filmprojekt

Jurybegründung

"Eine Gefängniszelle mit einer Pritsche wird in einem Flugzeughangar nachgebaut. Auf ihr liegt eine Menschenpuppe, die wiederholt in Flammen aufgeht. Bei einem Brand in der Zelle Nr. 5 des Dessauer Polizeireviers starb der an Händen und Füßen gefesselte Asylsuchende Oury Jalloh. Was genau passierte am 7. Januar 2005?

Dieser Film ist mehr als ein Dokument, sein Regisseur recherchiert, sieht genau hin – und er rekonstruiert einen fast schon 20 Jahren andauernden Prozess. Schauspieler*innen lesen in einem leeren Raum Zeugenaussagen, Gerichtsdokumente vor. Die Staatsanwaltschaft möchte den Fall schnell abschließen. Aktivisten, Freunde und Familienmitglieder von Oury Jalloh bezweifeln, dass sich der junge Mann und Vater eines kleinen Kindes selbst angezündet hat. Auffällig sind die eher … weiterlesen

2018

documenta 15 – Konzept

“The next documenta will be commissioned by the people.”

The following idea for documenta is inspired by a major shift in the social history of art, and it responds to the challenges that democratic societies, as much as art institutions, are facing today. This idea takes into account a long historical development, which has continuous relevance. Since the modern revolutions, ambitions have not diminished to reconsider the role of the arts for the development of communities and societies. The basic question, how art can respond to the needs of society, and how it may instigate solidarity, is not only crucial to the art world. It is politically crucial, again today. d15 can facilitate one answer to that question. Consciousness has grown in recent years that today’s social crisis, and the mistrust in representative politics, demand increasing efforts to strengthen social and cultural … weiterlesen

2018

Again / Noch Einmal – Filmprojekt

Mario Pfeifer setzt sich in Again / Noch einmal (2018) mit einem Vorfall auseinander, der für Deutschland so typisch geworden ist: Im Mai 2016 kam es an der Kasse eines Supermarktes in Arnsdorf (nahe Dresden in Sachsen) zu einer unschönen Szene. Der junge Mann Shabaz Al-Aziz, der 2015 aus dem Irak nach Deutschland floh, wollte eine fehlerhafte Simkarte umtauschen – und bekam einen epileptischen Anfall, der ihn auffällig werden ließ. Statt dem Mann zu helfen, waren sofort vier schwarz gekleidete Männer zugegen, die ihn aus dem Supermarkt zerrten und an einen Baum fesselten. Ein Kunde filmte die Situation, die Aufnahme ging viral, insbesondere in rechtsradikalen Kreisen. Wegen Freiheitsberaubung wurden die vier Männer angeklagt und 2017 freigesprochen. Das Opfer konnte vor Gericht nicht als Zeuge aussagen: Eine Woche vor Prozessbeginn wurde er in den Wäldern von Mittelsachsen tot … weiterlesen

Appeal to the Youth of All Nations – Ruhrtriennale
Appeal to the Youth of All Nations – Ruhrtriennale
Appeal to the Youth of All Nations – Ruhrtriennale
Appeal to the Youth of All Nations – Ruhrtriennale

2018

Appeal to the Youth of All Nations – Ruhrtriennale

Auf dem Gelände der Jahrhunderthalle Bochum installierte Olu Oguibe einen universellen Aufruf an die Jugend aller Nationen in drei Sprachen: auf Deutsch und Englisch, den im europäischen Raum meist verbreiteten Sprachen – und auf Romani, derjenigen Sprache, die eine große Minderheit repräsentiert und für eine der frühesten migrantischen Gruppen in Europa steht.

Olu Oguibes Aufruf erlaubt sich den Pathos der epochalen Ansprache und formuliert die Hoffnung, „die Jugend aller Nationen“ werde verantwortungsvoller mit den Menschen und dem Planeten umgehen, als vorangegangene Generationen. „Denn Ihr seid diejenigen, sie in der Lage sind, die Welt zu ändern.“

Ich konnte dieses Projekt 2018 für Oli Oguibe zusammen mit der Ruhrtriennale möglich machen.

2017/18

documenta 14 – Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument

Der Obelisk des nigerianisch-amerikanischen Künstlers Olu Oguibe gehörte zu den populärsten und umstrittensten Kunstwerken der documenta 14 in Kassel. Im Herbst 2018 sorgte er bundesweit für Aufsehen wegen des politischen und öffentlichen Streits um seinen Standort, der derart eskalierte, dass die Stadtverwaltung am 3. Oktober – dem Tag der Einheit – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das tonnenschwere Kunstwerk entfernte. Meine Aufgabe war es, diesen Konflikt zu lösen.

„Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“ zitiert auf seinen vier Seiten in vier Sprachen einen Satz aus der Bibel (Matthäus-Evangelium): „Ich war ein Fremder, und Ihr habt mich aufgenommen.“ Die Gestalt des Obelisken gibt dieser Aussage eine zeitlose und Kulturen übergreifende Form. Im Juni 2017 wurde das von der documenta aufwändig produzierte Werk am Kasseler Königsplatz aufgestellt. Die Stadt Kassel verlieh Olu … weiterlesen

International New Patrons Initiatives
International New Patrons Initiatives
International New Patrons Initiatives
International New Patrons Initiatives
International New Patrons Initiatives
International New Patrons Initiatives
International New Patrons Initiatives
International New Patrons Initiatives

2013–heute

International New Patrons Initiatives

Argentinien, Indien, Island, Kamerun, Libanon, Niederlande, Schweden, Tunesien, USA. In diesen Ländern habe ich mögliche Partner getroffen, Mediator*innen gesucht, und viel über die Möglichkeitsbedingungen von Kunst und Kultur in verschiedenen Systemen und über die Grenzen einer Kunst im Bürgerauftrag gelernt. In Indien begann eine Initiative, die dann abbrach. Ebenso in Nigeria und Südafrika. Im Libanon gab es mehrere Kooperationen, die nach der Explosion 2020 stoppten und infolge auch nicht wieder belebt werden konnten. Aktuell (2025) läuft ein Pilotprojekt in den Niederlanden, das ich berate. Als erstes außereuropäisches Land ist Kamerun dem Netzwerk der Neuen Auftraggeber beigetreten. Das erste Pilotprojekt dort konnte ich anschieben und möglich machen.
Goethe Institut Kamerun www.goethe.de
Initiative in Nigeria www.nouveauxcommanditaires.eu

2012

Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal

Santiago Sierras Wettbewerbsbeitrag für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal war zweifelsohne der radikalste Entwurf dieses Wettbewerbs. Es war undenkbar, dass jemand ihn je umsetzen würde. Er war aber konzeptionell und politisch brilliant, weshalb es uns ärgerte, dass der Vorschlag aus dem weiteren Wettbewerbsprozess herausgenommen wurde.

Als die Ausschreibung für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal öffentlich wurde, schlug ich Santiago Sierra vor, einen Vorschlag zu entwickeln. In Leipzig brachte ich ihn mit einigen der wichtigsten Akteure des Herbst 1989 zusammen, wir machten Ortsbegehungen – und hatten schließlich einen Plan.

Sierra war und ist Anarchist und hat weltweit mit vielen anarchistischen Gruppen zusammengearbeitet. Für ihn war schnell klar: In Leipzig musste eine gegen den Staat und gegen die staatliche Ordnung gerichtete Lösung gefunden werden, wenn das Mahnmal den Kern der Revolution von 89 erfassen sollte, der es ja um nichts anderes ging als eben das: den Staat zu stürzen um sich als Volk auf neue demokratische Weise selbst zu verwalten.

Sein Vorschlag: Der Wilhelm-Leuschner-Platz, wo das Mahnmal „stehen“ sollte und von dem uns aus den Ausschreibungsunterlagen detaillierte Pläne vorlagen, sollte aus dem deutschen Staatsgebiet herausgenommen werden. Mit einem Berliner Verfassungsrechtler erarbeitete ich dann die formalen Schritte, die erforderlich wären, um den Platz als exterritoriales Gebiet zu konstituieren (siehe Texttafeln).

Was auf den ersten Blick wie eine „Idee“ klingen mag ist auf den zweiten Blick voller Fragen und Konsequenzen. Wie würde ein Stadtbevölkerung ein Gelände „gemeinsam“ nutzen und „verwalten“, auf dem z.B. Polizei keinen Zutritt hat. Würde es ein Ort neuer Freiheiten und Möglichkeiten – oder ein Ort neuer Repressionen, voll von Vorschriften und gegenseitiger Kontrolle? Wie würde man die Millionen von Euro einsetzen, die zur Verfügung stünden? Welche Ordnung würden die Leipziger diesem leeren Ort geben, der ihnen übereignet wurde?

Die Eingabe für den Wettbewerb bestand aus zwei DIN-A4-Seiten, die mit einer 1989 in Leipzig geläufigen Schreibmaschine getippt waren – eine formale Hommage an Flugblätter aus dem Herbst 89. Für die öffentliche Präsentation der Wettbewerbsbeiträge standen zwei kleine Stellwandmodule zur Verfügung, deren Größe wir für eine Plakatfassung des Textes nutzen.

Aber wir machten einen Fehler. In den Wettbewerbsbedingungen stand, dass der künstlerische Vorschlag den Wilhelm-Leuschner-Platz materiell verändern müsse. Das hatten wir überlesen… Hätten wir geschrieben, dass mit einem Bleistift eine Linie um den Platz gezogen werden soll, ehe er aus deutschem Staatsgebiet entfernt wird, wäre der Beitrag gültig gewesen. So aber war es leicht, ihn aus formalen Gründen zu disqualifizieren, was einige Jurymitglieder (jene, die etwas von Kunst verstanden) fast zum Austritt aus der Jury bewegte.

Die beiden Textplakate wurden in darauffolgenden Jahren gelegentlich als Sierras „Conceptual Monument“ ausgestellt, ohne dass der Kontext nachvollziehbar war. Schade.

www.santiago-sierra.com

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2010–2013

Projekte mit Arno Brandlhuber

Anfang der 2010er Jahre verband mich mit Arno Brandlhuber neben einer Freundschaft und geteilten Interessen auch der Versuch, ihn als Galerist zu vertreten – nicht als Künstler, sondern als Architekt, Planer und Aktivist. Wir arbeiteten an einigen Projekten zusammen, die ich hier kurz dokumentiere.

Option Lots

Brandlhuber + Emde, Schneider; Elsa Beniada, Arno Brandlhuber, Markus Emde, Tobias Hönig, Cornelia Müller, Thomas Schneider

"Es ist vielleicht eines der typischsten urbanen Ereignisse in der jüngeren Geschichte Berlins. Sobald die (bauliche) Differenz zwischen bürgerlicher Vergangenheit und modernem Sozialismus in Form der neuen Mischbebauung nicht mehr ganz so ernst genommen wurde, waren architektonische Versprünge und Anomalien die Folge. Was Brandlhuber+ derzeit dokumentiert … weiterlesen

1998

Das Symposium über interkontextuelle künstlerische Kompetenz

Alte Handelsbörse Leipzig, 16./17. Oktober 1998

Ein Projekt von Marcel Bühler und Alexander Koch

Teilnehmende: Jean-Christophe Ammann, Bettina Allamoda, Christine Eichel, Hans Dieter Huber, Christian Janecke, Dietmar Kamper, Olaf Nicolai, Horst Prehn Moderation: Stephan Schmidt-Wulffen

Die 90er Jahre waren erneut von der Hoffnung getragen, künstlerisches Handeln könne auf verschiedenen Feldern gesellschaftlicher Wirklichkeit (re)aktiviert werden. Was aber tatsächlich geschieht, wenn dabei das Feld der Kunst etwa mit jenem der Politik, der Ökonomie oder der Wissenschaft in ein Wechselverhältnis tritt, war und ist Gegenstand umfangreicher und kontroverser Diskussion.

“Wie faltet sich die Kunst in ein Anderes, und wie faltet sich ein Anderes in die Kunst?” Mit dieser Frage schaltete … weiterlesen