{"id":186,"date":"2011-11-06T11:39:52","date_gmt":"2011-11-06T10:39:52","guid":{"rendered":"https:\/\/alexanderkoch.info\/?p=186"},"modified":"2025-07-19T16:01:15","modified_gmt":"2025-07-19T14:01:15","slug":"general-strike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/general-strike\/","title":{"rendered":"General Strike. Grundlagen zu Theorie und Geschichte des Kunstausstiegs (2011)"},"content":{"rendered":"\n<p>General Strike<br \/>\nGrundlagen zu Theorie und Geschichte des Kunstausstiegs<br \/>\nLee Lozano, Charlotte Posenenske et al.<br \/>\nKonzept, Texte, Grafik: Alexander Koch<br \/>\n\u00dcbersetzungen: Gerrit Jackson<br \/>\nLektorat: Kimberly Bradley<br \/>\nMit freundlicher Unterst\u00fctzung von Hauser &amp; Wirth und The Estate of Lee Lozano<br \/>\nKOW ISSUE 8, Berlin 2011<\/p>\n<div class=\"each is-aside is-large\">\n<div class=\"text hyphenate\">\n<h2>Dass K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler ihre eigene Gesellschaft kritisieren, wird regelrecht von ihnen erwartet. Auch dass sie an der Kunst Kritik \u00fcben \u2013 am Markt, an den Institutionen, an der Rolle als kreative Au\u00dfenseiter, die man ihnen gerne zuschreibt \u2013, ist \u00fcblich. Mit der \u201eInstitutionskritik\u201c wurde daraus gar eine eigene Kunstrichtung. Was aber, wenn K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler so weit gehen, nicht nur einzelne Teile des Kunstbetriebs zu kritisieren, sondern die Kunst als Ganzes?<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"each is-aside\">\n<div class=\"text hyphenate\">\n<p>Was, wenn sie den Glauben an die Kunst verlieren, die Arbeit niederlegen und unter Protest das Kunstfeld verlassen? Nicht, weil sie scheitern; nicht, weil ihnen der Erfolg versagt bleibt; sondern weil sie darauf hoffen, anderswo eine Perspektive f\u00fcr ihr Engagement, ihre sozialen und politischen Utopien oder einfach nur ein gl\u00fccklicheres Leben zu finden?<\/p>\n<p>Wie viele Ex-K\u00fcnstlerinnen und Ex-K\u00fcnstler kennen wir, die freiwillig der Kunst den R\u00fccken kehrten? Mit Charlotte Posenenske und Lee Lozano wurden in vergangenen Jahren zwei solcher F\u00e4lle posthum popul\u00e4r. Auch Cady Noland, Laurie Parsons und Eugen Sch\u00f6nebeck tauchten ab. Aber wie viele noch, und seit wann schon, das hat niemand gez\u00e4hlt. Kunsthistoriker haben sich immer schon f\u00fcr Herkunft und Beginn k\u00fcnstlerischer Praxen interessiert \u2013 aber ob, wie und warum solche Praxen vielleicht auch ein Ende finden, das haben sie nicht vermerkt. Es scheint fast so, als w\u00fcrde man K\u00fcnstlern zugestehen, zu rebellieren, zu scheitern und auch zu sterben \u2013 nicht aber, einfach zu Lebzeiten auszusteigen.<\/p>\n<p>So blieb der \u201eAusstieg aus der Kunst\u201c ein ungeschriebenes Kapitel der Kunstgeschichte. GENERAL STRIKE beginnt, dieses fehlende Kapitel zu schreiben. In vier Texten legt die Publikation den systematischen Grundstein f\u00fcr eine Theorie und Geschichte des Kunstausstiegs. Sie verfolgt \u2013 in aller K\u00fcrze \u2013 den k\u00fcnstlerischen Generalstreik bis zur\u00fcck ins fr\u00fche 19. Jahrhundert und schl\u00e4gt eine geeignete Terminologie f\u00fcr die kunstwissenschaftliche Handhabe des Ph\u00e4nomens vor. Und sie fragt nach den Konsequenzen, die eine \u00f6ffentliche Rezeption und Anerkennung des Praxiswechsels von der Kunst in andere gesellschaftliche Gefilde f\u00fcr die soziale Rolle von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Anhand der \u201eLanguage Pieces\u201c und der privaten Notizb\u00fccher der US-amerikanischen K\u00fcnstlerin Lee Lozano (1930 \u2013 1999) wird der seltene Fall nachgezeichnet, dass sich der Ausstieg aus der Kunst unmittelbar in einem eigenen, letzten Werkkomplex dokumentiert \u2013 der nebenbei der K\u00fcnstlerin posthumen Ruhm als Pionierin der Konzeptkunst einbringt. Mit bislang zum Teil unver\u00f6ffentlichtem Material wird dabei auch einer Mythologisierung des Ausstiegs Lee Lozanos entgegengewirkt. Lozano und Posenenske werden schlie\u00dflich verglichen, um die Motive und die kritische Sto\u00dfrichtung individueller Ausstiegsbewegungen genauer zu kennzeichnen.<\/p>\n<p>GENERAL STRIKE will zeigen, dass der immer wieder vollzogene Ausstieg aus der Kunst, so unbeobachtet er in der Regel blieb, Aufschluss gibt \u00fcber grundlegende Zweifel von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern an der Kunst respektive an der sozialen Verfassung des Kunstfeldes. Zweifel, die sich besonders in politischen und kulturellen Umbruchzeiten wie in den Jahren um 1917, 1968 und 1989 h\u00e4uften. Mitunter kann der Kunstausstieg dabei selbst zu einem Sonderfall kritischer Kunstpraxis werden: als eine tempor\u00e4re und transitorische Praxis, die sich aus l\u00e4hmenden Bedingungen emanzipiert, um jenseits der Kunst nach alternativen Handlungsoptionen zu suchen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neun Jahre Recherche und Theoriearbeit stehen hinter dieser Publikation, die ich schlie\u00dflich binnen einer Woche zusammenschrieb und gestaltete. Anlass war die KOW-Ausstellung mit Cady Noland, die ebenfalls als &#8220;Aussteigerin&#8221; galt und gilt (was falsch ist).<br \/>\nGeneral Strike. Grundlagen zu Theorie und Geschichte des Kunstausstiegs. Mit Lee Lozano, Charlotte Posenenske et al. Konzept, Texte, Grafik: Alexander Koch. KOW ISSUE 8, Berlin 2011<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"rop_custom_images_group":[],"rop_custom_messages_group":[],"rop_publish_now":"initial","rop_publish_now_accounts":[],"rop_publish_now_history":[],"rop_publish_now_status":"pending","footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-186","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-books","entry"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":true},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=186"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2260,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/186\/revisions\/2260"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}