{"id":1708,"date":"2001-11-09T15:19:48","date_gmt":"2001-11-09T14:19:48","guid":{"rendered":"https:\/\/alexanderkoch.info\/?p=1708"},"modified":"2025-04-25T00:16:41","modified_gmt":"2025-04-24T22:16:41","slug":"arthur-zalewski-levels-4-2001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/arthur-zalewski-levels-4-2001\/","title":{"rendered":"Levels #4 (2001)"},"content":{"rendered":"<h2><\/h2>\n<h2>Galerie im Parkhaus Berlin<\/h2>\n<h2>Mit Arthur Zalewski und Jean Luc Godard, Herbert Bayer, Catherine David, Beatrice von Bismarck, kuratiert von Alexander Koch<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem Medium Ausstellung sind stets historische, institutionelle und architektonische Imperative immanent. Diesen begegnete die Ausstellungsproduktion \u00bbLevels #4 \u2013 Arthur Zalewski\u00ab, indem sie den Ausstellungsraum der Galerie im Parkhaus Treptow, Berlin, als einen spezifisch codierten Handlungsraum zu formulieren suchte, in dem sich verschiedne Techniken und Taktiken der Inszenierung und der Exponierung abbilden lie\u00dfen \u2013 und mit diesen zugleich auch die wechselseitigen Erwartungshaltungen und Rollenzuschreibungen innerhalb des Akteursvierecks K\u00fcnstler-Kurator-Publikum-Institution.<\/p>\n<p>Arthur Zalewski wurde von mir eingeladen als ein K\u00fcnstler, dessen Arbeitsweise sich beschreiben lie\u00dfe als ein Set von unterschiedlichen Handlungsmustern, durch die ein Ort, eine Situation, eine Fragestellung oder ein Material schrittweise angeeignet und umgeschrieben werden und in neuem Gebrauch zur Auff\u00fchrung kommen.<br \/>\nZalewskis k\u00fcnstlerische, performative Praxis, die sich wechselnder Medien bedient und im Umgang mit Materialien aus der Alltagskultur oftmals ephemere Zwischenprodukte hervorbringt und diese auf einer dokumentarischen Ebene reflektiert, bietet aus kuratorischer Sicht eine Reihe von Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen innerhalb der gemeinsamen Fragestellung nach der Ausstellung als einem spezifischen (kooperativen) Handlungsfeld.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Ausstellungsproduktion, die f\u00fcr \u00bbLevels #4 \u2013 Arthur Zalewski\u00ab entwickelt wurde und die sich in einer gewissen Tradition der orts- und kontextspezifischen Praxis situierte, basierte auf den r\u00e4umlichen und kulturpolitischen Rahmenbedingungen der Situation im Parkhaus Treptow, Berlin, sowie auf Fragen nach der Inszenierung des Blicks (der Verf\u00fchrung und Inszenierung des Beobachters) und der damit verbundenen Frage nach der Konstruktion von Oberfl\u00e4chen (mithin Displays).<\/p>\n<p>In der Ausstellung kamen dabei Fotografie, Skulptur \/ Installation und Film, Reproduktion und Bildzitat als gleicherma\u00dfen kontextgebundene wie kontextgenerierende Praktiken zum Einsatz; als \u00bbListen und Taktiken\u00ab( Michel de Certeau, \u00bbKunst des Handelns\u00ab, Paris 1980 \/ Berlin 1988), mit deren Hilfe ein br\u00fcchiges (Re-)Pr\u00e4sentationsfeld in Szene gesetzt wurde, dem verschiedene (u.a. historische) Implikationen eingeschrieben sind. Herbert Bayer, Jean-Luc Godard und Blinky Palermo fungierten hier gleichsam als Stichwortgeber.<\/p>\n<p>Levels #4 gab implizit einen Kommentar auf das Ableben der Galerie im Parkhaus (der Austragungsort der Levels-Reihe wurde kurz darauf geschlossen) sowie auf das an vielen Orten gerne strapazierte Bild des off-space als kritischem Gegenentwurf zu den \u00bbwhite cubes\u00ab und den \u00bbetablierten Institutionen\u00ab.<\/p>\n<p>Alexander Koch<br \/>\nMai 2001<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1734\" src=\"https:\/\/alexanderkoch.info\/wp-content\/uploads\/2001\/11\/Unbenannt-2-1-300x255.jpg\" alt=\"\" width=\"759\" height=\"645\" srcset=\"https:\/\/alexanderkoch.info\/wp-content\/uploads\/2001\/11\/Unbenannt-2-1-300x255.jpg 300w, https:\/\/alexanderkoch.info\/wp-content\/uploads\/2001\/11\/Unbenannt-2-1-1024x869.jpg 1024w, https:\/\/alexanderkoch.info\/wp-content\/uploads\/2001\/11\/Unbenannt-2-1-768x652.jpg 768w, https:\/\/alexanderkoch.info\/wp-content\/uploads\/2001\/11\/Unbenannt-2-1-1536x1304.jpg 1536w, https:\/\/alexanderkoch.info\/wp-content\/uploads\/2001\/11\/Unbenannt-2-1-2048x1739.jpg 2048w, https:\/\/alexanderkoch.info\/wp-content\/uploads\/2001\/11\/Unbenannt-2-1-1568x1331.jpg 1568w\" sizes=\"auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px\" \/><\/p>\n<table style=\"font-weight: 400;\" width=\"600\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>\u00bbDas Exponat als \u2026\u00ab<br \/>\n<\/strong>Beatrice von Bismarck<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00bbLevels #4\u00ab \u2013 eine k\u00fcnstlerische und kuratorische Rollen verschr\u00e4nkende Zusammenarbeit der beiden Verantwortlichen \u2013 \u00fcbernimmt es, die unterschiedlichen Funktionen, welche Exponate innerhalb von Prozessen des Sehens und Sichtbarwerdens \u00fcbernehmen, auszuloten. Wenn, wie es die Diskussion um die Rolle des \u00bbWhite Cube\u00ab seit den 70er Jahren vorgibt, nicht mehr die interesselose Anschauung des Kunstwerks im Mittelpunkt von ausstellenden Aktivit\u00e4ten steht, sondern mit der Kontextualisierung des Raumes auch seine einzelnen Bestandteile thematisiert werden, ist das pr\u00e4sentierte Material nicht mehr aus seiner relationalen Beziehung zu Pr\u00e4sentationsstrategien herauszul\u00f6sen. Es \u00fcbernimmt eine Rolle. Das Exponat als \u2026<\/p>\n<p>Den ersten Halt beim Betreten von \u00bbLevels #4\u00ab bietet eine dem Eingang schr\u00e4g gegen\u00fcber liegende Raumecke. Sie wird rechts gerahmt von einem Photo von Arthur Zalewski, einem Schnappschuss auf der documenta X, auf dem, sehr klein und halb verdeckt, die Figur der documenta-Leiterin Catherine David zu erkennen ist. Links schlie\u00dft sich die Reproduktion eines Installationsphotos an. Es zeigt die Wiederauff\u00fchrung einer Arbeit von Blinky Palermo in der D\u00fcsseldorfer Galerie Konrad Fischer von 1970, in der der K\u00fcnstler den Verlauf des Treppenhauses in seinem Mietshaus in die Fl\u00e4che \u00fcbertragen und als Diagonale auf die Galeriewand gesetzt hatte. Dieses Verfahren hatte Zalewski zwei Tage vor Ausstellungser\u00f6ffnung in der Galerie nachgeahmt. Die Reproduktion besteht auf der raumgreifenden, raumverstellenden Geste der Wandzeichnung, um ihrerseits, auf eine eingezogene Stellwand montiert, den Durchgang zu den B\u00fcros der Galerie im Parkhaus zu verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>So wie in diesem Teil der Ausstellung die Betrachter\/innen aufgefordert sind, die gerichteten, begehrenden Blicke \u2013 auf Catherine David, auf Palermos Arbeit, auf den dahinter verborgenen Raum bei Konrad Fischer \u2013 zu verfolgen und k\u00f6rperlich \u2013 in der Verweigerung, die Versperrung des Durchgangs bedeutet \u2013 nachzuvollziehen, so \u00fcbernehmen auch die \u00fcbrigen Elemente der Installation blick- und k\u00f6rperlenkende Aufgaben: Zalewskis Paravent verweist auf die Verh\u00e4ltnisse sowohl von Teilen des Raums als auch von Besucher\/innen zueinander; vor allem aber r\u00fcckt er in seiner Semi-Transparenz das Verbergen als Strategie der Begehrenserzeugung in den Vordergrund. Wie ein wegef\u00fchrendes Element leitet er \u00fcber in den zweiten Ausstellungsraum. In ihm finden sich mit der satten Gl\u00e4tte von Zalewskis autolackierter MDF-Platte, mit der Reproduktion von Herbert Bayers Wanddisplay, durch das man die eine junge Frau verfolgende Kamerafahrt zu Beginn von Jean Luc Godards \u00bbLe M6#233;pris\u00ab sehen kann, und mit der Sitzbank aus einem Museum, verschiedene Formen von Begehren und dessen Verfolgung zur Anschauung gebracht. Sie schlie\u00dfen sich um die Betrachter\/innen, halten sie gefangen, denn selbst wenn von der Sitzgelegenheit aus der Blick zur\u00fcck auf den Eingangsbereich f\u00e4llt, trifft er auf die Palermo-Nachahmung, die von dem unerf\u00fcllbaren Ann\u00e4herungswunsch erz\u00e4hlt, der dem Zitieren innewohnt. Womit die Bewegung im Raum erneut einsetzen k\u00f6nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Galerie im Parkhaus Berlin<\/p>\n<p>This solo exhibition\u2014part of a series of curatorial statements on the present\u2014drew deeply from the toolbox of representational critique, with on-site production being highly performative. Featuring Arthur Zalewski and Jean-Luc Godard, Herbert Bayer, Catherine David, Beatrice von Bismarck, curated by Alexander Koch<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"rop_custom_images_group":[],"rop_custom_messages_group":[],"rop_publish_now":"initial","rop_publish_now_accounts":[],"rop_publish_now_history":[],"rop_publish_now_status":"pending","footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-1708","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-exhibitions","entry"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":true},"en":{"title":true,"content":false,"excerpt":true}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1708"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3264,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1708\/revisions\/3264"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexanderkoch.info\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}